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23.02.2021
Still Standing in Ostbelgien

Auch der ostbelgische Kultursektor macht sich für die Branche stark. Chudoscnik Sunergia, arsVitha, Fithe Ostbelgien, Irene K, das Kulturelle Komitee Eupen, Ostbelgien Festival und das Agora Theater schließen sich der dritten #stillstanding Aktion in Belgien an. Kultur ist systemrelevant und wichtig für das Gemeinwohl der Bevölkerung.

Im Rahmen des dritten #Stillstanding Aufrufs setzten Kulturschaffende in ganz Belgien am 20. Februar ein Zeichen - ohne Kultur bleibt es nicht nur still, Kultur ist lebensnotwendig für unsere Gesellschaft. Auch die ostbelgischen Kulturvereinigungen erinnern in dieser öffentlichen Mitteilung daran, dass Kultur grundsätzlich zum menschlichen Gemeinwohl beiträgt.

 

Kultur- und Kunstschaffende wollen die Isolation und die somit völlige Unsichtbarkeit ihres Sektors verlassen. Unabhängig von der finanziellen Lage, den Planungsunsicherheiten und dem Stillstand ihrer Aktivitäten erinnern sie zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit daran, dass Kultur als Gemeinwohl dringend öffentlich verteidigt werden muss. Der Zugang zur Kultur ist in gleicher Weise ein Grundrecht wie der Zugang zur Gesundheitspflege, zur Bildung oder zur Justiz. Für den gesamten Kultursektor ist es an der Zeit, dass die Logik der Notstandsregelungen nach Inzidenzzahlen endlich um die Logik einer öffentlichen Auseinandersetzung mit den vielen anderen Faktoren des sozialen Lebens erweitert wird.


Die erforderlichen Maßnahmen und der Platz, den die Kultur seit einem langen Zeitraum nicht mehr einnehmen darf, stehen in keiner verhältnismäßigen Relation. Während für viele Handelsaktivitäten das Zusammenkommen von zahlreichen Menschen toleriert wird, sind kulturelle Tätigkeiten unter dem aktuellen Protokoll schlicht verboten. Dabei haben im vergangenen Sommer zahlreiche lokale Initiativen - auch in Ostbelgien - bewiesen, dass kulturelle Aktivitäten auch in Krisenzeiten systemrelevant sind und dankend von Künstler*innen und Publikum angenommen werden. Warum also werden, trotz Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen, Veranstaltungen komplett verboten?


Die politische Entscheidung, kulturelle Tätigkeiten für die breite Bevölkerung völlig auszuschalten, färbt sich langfristig negativ auf die die sozialen Bindungen und auf das psychische Wohlergehen der Menschen ab. Veröffentlichungen des Gesundheits- und Sozialsektors zeigen dass - vor allem in der jungen Bevölkerung - die psychosozialen Schäden der Krise gravierend sind. Endlich wieder Verbindungen zwischen Kultur und Bildung, Kultur und Wohlbefinden, Kultur und sozialen Aktivitäten zu schaffen, ist eine Notwendigkeit, um die mentale Gesundheit der Bevölkerung zu pflegen. Der Kultursektor möchte in dieser Rolle wieder aktiv sein dürfen.


Außerdem wollen die Kulturschaffenden ihrem öffentlichen Auftrag innerhalb unserer Demokratie wieder gerecht werden. Der Kultursektor hält die Selbstverständlichkeit, mit der dem vollständigen kulturellen Stillstand begegnet wird, für fragwürdig und wünscht sich ein kollektives Nachdenken und eine gesellschaftliche Diskussion über die aktuelle Situation und erforderlichen Maßnahmen.


Aus diesen Gründen erinnert der belgische Kultursektor gemeinsam an das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit und an das Gemeinwohl. Der Kultursektor fordert das Schaffen von fairen Ausgangsbedingungen für die ganze Gesellschaft und einer globalen Präventionspolitik im Interesse aller Bürger*innen, die wirtschaftliche, aber auch soziale und psychosoziale Risiken mit einbezieht. Zu unserem Gemeinwohl gehört die soziokulturelle Bindung, die Möglichkeit sich zu versammeln und sich auszudrücken. Gerade in ländlichen Gebieten wie Ostbelgien trägt kulturelle Begegnungen sowie Vereinsleben maßgebend zum Wohl der Bevölkerung bei.

 

Die Pandemie bietet die Möglichkeit zur Reflexion, was die Menschen in unserer Gesellschaft wirklich wollen und brauchen. Die Kulturschaffenden sind motiviert - und es ist grundsätzlich ihre Aufgabe - zu dieser Reflexion beizutragen!

 

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