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31.12.2020
2020 - 2021

Ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Jahr geht zu Ende. In seinem Grußwort zum Jahreswechsel wirft unser künstlerischer Leiter Kurt Pothen einen Blick zurück und nach vorne.

Für uns hat 2020 mit einem Kracher begonnen. Mit der 50. AGORA-Premiere: „Die drei Leben der Antigone" von Slavoj Zizek, der während der Deutschlandpremiere im FFT Düsseldorf unser Gast war und mit dem Regisseur Felix Ensslin auf dem Podium saß. Ganz so, wie wir uns den Start in das Jubiläumsjahr - neben der 50. Produktion, 40 Jahre Agora und das 30. Internationale TheaterFest - vorgestellt haben.

 

Dann kam die Pandemie und mit ihr die Starre. Der Rest ist bekannt und dutzende Male beschrieben. Nichts ging mehr. Und diese Zeit des Nichts war und ist eine sehr intensive. Existenzsicherung ist der Begriff der Stunde. Aber was bedeutet dieser Begriff für ein Theater, das dazu gezwungen wurde und wird, seine Existenzberechtigung - die Produktion und Aufführung von Inszenierungen - aufzugeben? Zumindest zeitweise. Existenzsicherung in diesen Zeiten bedeutete für uns viele Gespräche mit den politisch Verantwortlichen, wo nur möglich die von heute auf morgen arbeitslos gewordenen freien Ensemblemitglieder zu unterstützen und gleichzeitig an kurz-, mittel- und längerfristigen Projekten und Formen arbeiten, um nicht gänzlich im Coronanebel zu verschwinden und zumindest online präsent und sichtbar zu bleiben.

 

Seit Ende Juni proben wir wieder. Sogar einige wenige Aufführungen hat es noch gegeben im Sommer, in einer Zeit der Lockerung, die sich als trügerisch erweisen sollte. Planungen mit vielen Unbekannten, dann lief Alles auf einen zweiten Lockdown hinaus, also haben wir reagiert: Das JubiläumsFest wurde abgesagt, Premieren verschoben und ein Soloprojekt eingeschoben, in der Hoffnung bei einer nächsten Lockerung der Maßnahmen mit einem Corona kompatiblen Format wieder Zuschauer begrüßen zu dürfen.

Vermutlich etwas zu optimistisch haben wir die Premiere von „Die seltsame und unglaubliche Geschichte des Telemachos" mit Ninon Perez in der Regie von Felix Ensslin auf Mitte Januar 2021 angesetzt. Wir werden sehen, wie die weiteren Maßnahmen Anfang Januar in Belgien sich entwickeln werden. In Deutschland sieht es zur Zeit düster aus. Jedenfalls werden wir eine Produktion am Start haben. Sollten wir keine Zuschauer empfangen können, denken wir über eine Online-Premiere nach. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

 

Wie wichtig Solidarität und gemeinsames Handeln in diesen Zeiten ist, zeigen die zahlreichen Aktionen und Bündnisse, die in den letzten Monaten entstanden sind: „Sofia" in Belgien: Ein ‚Thinktank‘ unterschiedlichster Akteure aus Kultur, Politik und Wirtschaft, der über Chancen und Möglichkeiten einer Post-Corona-Zeit nachdenkt. „Theater.Macht.Politik": Theaterpädagogen und Theatermacher aus 10 Ländern Europas entwickeln Projekte zu aktuellen politischen Fragen. Um zwei zu nennen, an denen wir aktiv beteiligt waren, bzw. sind. Und natürlich die Koproduktionen. Zum Beispiel mit dem Schlachthaus Theater Bern, dem COMEDIA Theater Köln und dem KOMMA Theater Duisburg für „Die weisen Tiere" in der Regie von Ania Michaelis und Catharina Gadelha, die im März hoffentlich Premiere feiern werden. Auch bei dieser Produktion haben wir die Anzahl der Spieler halbiert, um mehr Spiel für Prävention zu haben, bei den Proben und auf der Bühne.

 

Wir arbeiten also weiter und wollen nicht bloß der Dinge harren, die da noch kommen mögen, sondern versuchen unsere Zukunft aktiv zu gestalten. Das das überhaupt möglich ist, verdanken wir dem großen Entgegenkommen der politisch Verantwortlichen der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und dem unermüdlichen Engagement des gesamten Ensembles in dieser schwierigen Zeit. Allen voran Alexandra Schumacher und Roger Hilgers.

Ihnen gilt mein herzlichster Dank.

 

Ich wünsche Ihnen und uns einen guten Start in 2021 und ein hoffentlich baldiges Wiedersehen im Theater!

 

Kurt Pothen

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