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11.06.2020
ROH STOFF Amikejo (AT) - Projekt Neutral Moresnet

PREMIERE GEPLANT AM
10./11./12./13. DEZEMBER 2020

Triangel in St. Vith, BELGIEN

 

REGIE: Felix Ensslin

KÜNSTLERISCHE LEITUNG AGORA: Kurt Pothen 

 

In Koproduktion mit:

Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens

 

In Kooperation mit :

Schauspielhaus Bochum | Museum Vieille Montagne   

11.06.2020
Hintergund

Seit 1816 war Moresnet als Gebiet „neutral", lange bevor dieser hauptsächlich deutschspra­chige Landstrich Teil des heutigen Königreichs Belgiens wurde. In dieser Zeit, bis zum Ende des 1. Weltkrieges, war dieser kleine Fleck ein Hotbed für politische, kulturelle und indi­ viduelle Innovation.

Schon nach dem Ende des napoleonischen Projekts einer Vereinigung Europas konnten sich die Mächte nicht einigen, wem und zu wem diese Region gehören sollte. Neue Technologien der Zinkherstellung erweckten die Begierde aller beteiligten Mächte auf die Zinkvorkommen in der Erde dieses kleinen Fleckchens Europas.

Also einigten sich die großen Mächte darauf, solange die Produktion des Rohstoffes weitergehen würde und die Produkte für alle Siegermächte der Befreiungskriege zugänglich blieben, dass eine „neutrale" Lösung für den kleinen Landstrich gefunden werden sollte.

 

Weil sich die Mächte nicht einigen konnten, wer diese Region ganz besitzen sollte, wurde sie zum Besitz unterschiedlichster Mächte sowie der Firmen, die den dort vorhandenen Bodenschatz „Zink" ausbeuten wollten.

Sowohl kleine Ganoven des „kurzen Grenzverkehrs", welche die Schmugglermöglichkeiten auszunutzen wussten, als auch Visionäre eines Zu­sammenlebens mit einer gemeinsamen Sprache (Esperanto) jenseits von nationalen Identi­täten sowie Verzweifelte und Hoffende, die sich auf dieses Eldorado­ Gebiet zurückzogen, sahen in diesem neutralen „Protektorat" ohne klare staatliche Souveränität die Voraussetzung, ihre unterschiedlichen Begehren zu verwirklichen.

 

DAS BESONDERE AN NEUTRAL MORESNET 

Es sind zwei Aspekte, die beide in den Lektüren und den historischen Recherchen, die der Arbeit des AGORA Theaters zugrunde liegen, zum Ausdruck kommen. Zum einen zeigt sich in den individuellen Schilderungen, wie in denen der Literaturautorin Nanny Lambrecht, dass Protagonisten dieser Geschichte um die 20er Jahre die Kräfte, Leidenschaften, die Hoffnungen und Tragödien auf sehr persönliche Weise erlebt haben.

 

Viele versuchten, in diesem Gebiet frei zu leben. Sie wollten es frei erleben, aber nicht nur frei von den Großmächten als sou­veräne Eigner, sondern frei von den Mächten des Moralismus, der Anpassung, des Militaris­mus - kurz: frei von jeder Notwendigkeit, sich in die Realität des Gegebenen fügen zu müssen.

 

„Neutral­Moresnet" ist zu diesem Zeitpunkt nicht nur ein zukünftiger Teil des Königreiches Belgien - es ist für den Ansatz unseres Theaterprojektes auch ein Experimentierort für die politische Mentalität und Offenheit, die Belgien heute im europäischen Kontext spielt. Sei dies ‚Belgien‘ als Hoffnung, oder ‚Belgien‘ als Realität. So gibt es zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts den Plan, Moresnet zu einem Esperanto­Staat zu machen.

 

Anhänger der Kunst­sprache meinen, den idealen Ort gefunden zu haben, und taufen Moresnet auf den Namen „Amikejo" - „Ort der Freundschaft". Sogar eine Hymne gleichen Namens wird gedichtet: „Menschheit, o komm doch nach Amikejo! / Es lebe hoch der Internationalismus! / Lasst uns alle unsere Gabe bringen / Auf der Freundschaft schönem Altar!".


Doch der Sonderstatus des Gebildes birgt nicht nur skurrile Anekdoten. Für seine Bewohner hat er dramatische Konsequenzen. Moresnet wird immer wieder auseinanderreißen, denn inzwischen haben sich hier zahllose Nationalitäten versammelt und wenn sich neue Konstel­lationen unter den Mächten ergeben, müssen sich bisherige Nachbarn plötzlich bekämpfen. 

11.06.2020
Besetzung

Konzeption, Texte, Regie: Felix Ensslin

Spielerinnen: Galia De Backer, Line Lerho, Ninon Perez, Anna Robic, Annika Serong, Viola Streicher

Musikalische Leitung und Arrangements: Wellington Barros

Licht: Jasper Diekamp

Ton: Clemens Hörlbacher

Szenographie: Cordula Körber

Kostüme: Petra Kather 

Grafikdesign: Nicolas Zupfer

Dramaturgie & Regieassistenz: Mira Simon

Dramaturgische Beratung: Mona Becker, Christoph Sökler

Vertrieb: Karen Bentfeld

Künstlerische Leitung AGORA: Kurt Pothen

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