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19.05.2020
LESEREIHE | Marcel Cremer und die AGORA

Gerade ist das Buch “Marcel Cremer und die AGORA – Ein Lesebuch zum Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens” veröffentlicht worden. Ensemblemitglieder und Freunde des Theaters lesen aus diesem Anlass Auszüge aus dem im Verlag “Theater der Zeit” erschienenen Buch vor. So entsteht eine Lesereihe, die wir in diesem Artikel “peu à peu” mit euch teilen wollen.


"Marcel Cremer und die Agora
Ein Lesebuch zum Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens"

Herausgegeben von AGORA Theater und Christel Hoffmann

Verlag: "Theater der Zeit"

352 Seiten - 20 Euro

19.05.2020
LESEREIHE | PART 13 | Matthias Weiland

Matthias Weiland hat sich für die 14. Folge unserer Lesungen aus „Marcel Cremer und die Agora“ einen Text ausgesucht, der sicher nicht zufällig die Auswahl von Cremers eigenen Texten im zweiten Teil des Buches eröffnet.

Matthias kommt im Buch aber auch selber zu Wort. Er schildert die „erste Begegnung mit Marcel Cremer", die „keine persönliche Begegnung" war, aber dennoch eine, die, wie es am Ende seiner Schilderung heißt, "mein Leben verändert hat". Aktuell ist Matthias als Kreon in Die drei Leben der Antigone - AGORA Theater zu sehen, das wir das nächste mal zur Eröffnung unseres JubiläumsFests in St.Vith/Belgien am 22.10. spielen werden.

 

 

'(...)Meine erste Begegnung mit Marcel Cremer geht zurück auf das Frühjahr 1994. Es war keine persönliche Begegnung mit ihm, aber bereits bei dieser „Premiere" hatte ich eine Rolle: Ich war Zuschauer. Zuschauer einer Werkstattpräsentation unter seiner Leitung am Ende der Theaterwoche Korbach. Zuschauer, aber nicht im Wortsinn, sondern auf eine doppeldeutige, fast paradoxe Weise, die mir völlig neu war. Zeuge und gleichzeitig Beteiligter eines Ereignisses war ich, das ich bis dahin unter dem Begriff Theater gekannt hatte.

 

Obgleich äußerlich passiv und unbeweglich, bewegte mich, was ich dort sah, wühlte mich auf in meinem Innern, sodass ich mit der Zeit das Gefühl bekam, am Geschehen vor mir unmittelbar beteiligt, nur durch mein Schauen und Hören und Dasein zu einem Mitspieler geworden zu sein. Was dort auf der „Bühne" passierte, war gefährlich, rief nach mir, weckte mich auf, provozierte mich, forderte mich heraus, wollte etwas von mir, fragte mich und stellte mich infrage.

 

Marcel benutzte in seinen Werkstätten oft Textmaterialien, die von den Teilnehmern stammten oder vom Veranstalter vorgegeben waren, und reduzierte diese auf einzelne Sätze oder Wörter im Verlauf des kreativen Prozesses einer Werkstatt. Er arbeitete zusätzlich immer auch mit Gegenständen oder Materialien, die häufig zur alltäglichen Lebensrealität der Teilnehmer gehörten. Das konnten ein Kleidungsstück, ein Schlafsack, ein Paar Schuhe oder ein Kuscheltier sein. Im vorliegenden Fall hatte jeder der Teilnehmer eine schlichte Liegematte aus Bast, wie sie in jedem Ein-Euro-Shop zu kaufen ist. Zu Beginn der Präsentation verbargen sich die Spieler in einer Reihe hinter ihren Matten stehend. Das wirkte wie ein Vorhang und auch komisch, da man nur die Hände der Teilnehmer, die die Matten hielten, sah. Plötzlich war ein leises Flüstern zu hören und das ganze Bild geriet in Bewegung. Das Flüstern schwoll an und bald kroch durch die Ohrmuscheln der Zuschauer das Wort „Laboratorium", das die komplette Aktion wie ein roter Faden durchzog und den visuellen Eindruck einmal dialektisch durchkreuzte, ein anderes Mal rhythmisch stützte und weitertrieb.

 

Der Bastmattenvorhang lichtete sich und die Spieler, gleichsam in einer kollektiven Bewegung, flossen, schoben, drückten und pressten ihre Körper langsam in eine Form, die ich als „Menschenbaum" oder „Körperbaum" bezeichnen würde. Die Geburt dieser Vision erzeugte in mir eine Ekstase, die gleichwohl von einer aufrüttelnden Ambivalenz durchflochten war:... (...)'

19.05.2020
LESEREIHE | PART 12 | Hubert Cremer

Für die zwölfte Folge unserer Lesereihe zur Erscheinung von “Marcel Cremer und die AGORA”, freuen wir uns Marcels Vater präsentieren zu dürfen.

 

 

Folgende, persönliche Worte Huberts, möchten wir Euch nicht vorenthalten.

 

Ich, Hubert Cremer, Vater von Marcel, möchte nochmals allen Beteiligten ein Danke aussprechen für die Leistungen und Darlegungen im Buch „Marcel Cremer und die Agora".

 

Im Hause „Pullenz" in Crombach, in dem Marcel zusammen mit seinen Eltern und Großeltern, sowie seinen Geschwistern Freddy, Marie-Josée und René aufgewachsen ist, wurden seit jeher viele schöne Feste mit hervorragend zubereitetem Essen seiner Mutter gefeiert. Auch das dazugehörige Flüssige kam dabei nie zu knapp.

 

Die Goldhochzeit von mir und meiner Frau Josephine muss hier besonders hervorgehoben werden, für die Marcel das Stück „An den Dösch - Ein Tag bei Pullenz" inszenierte und mit allen Familienangehörigen aufführte. Marcel selbst spielte in diesem Stück seinen Großvater Peter Hilgers.


Leider musste Marcel viel zu jung Abschied nehmen von uns. Mögen seine Erinnerungen und Spuren noch lange weitergetragen werden.

 

19.05.2020
LESEREIHE | PART 11 | Joshua Cremer

Joshua Cremer kriecht für die elfte Folge unserer Reihe mit Lesungen aus MARCEL CREMER UND DIE AGORA durch das Ofenrohr, denn „Ofenrohre sind wie Leitplanken…”

 

Der Sohn Marcel Cremers ist mit den Menschen und Inszenierungen der AGORA und dem Netzwerk befreundeter Künstler und Ensembles aufgewachsen. Ein stetiger Wegbegleiter, Freund und Unterstützer, auch wenn er eigene und außenstehende Projekte verfolgt. Viele werden ihn als Schlagzeuger von PATCHWORK kennen.

 

Die AGORA-Band wird beim diesjährigen JubiläumsFest nicht nur dieses, sondern auch ihr 10-Jähriges rocken. Ein rundes Jubbiläum mehr, neben 40 Jahre Agora, 30 Jahre TheaterFest und der 50sten AGORA Inszenierung.

 

19.05.2020
LESEREIHE | PART 9 & 10 | Kurt Pothen & Christel Hoffmann

Hier kommen die neunte und zehnte Folge unserer Reihe mit Lesungen aus MARCEL CREMER UND DIE AGORA, das unlängst im Verlag Theater der Zeit erschienen ist.

Bereits Anfang Juni nämlich an dem Tag, der Marcel Cremers 65. Geburtstag gewesen wäre, hat unser künstlerischen Leiter Kurt Pothen den BRF besucht und hat über das Buch gesprochen und wie wir versucht haben mit der Corona Krise und den Folgen umzugehen, die die AGORA zumindest insofern besonders treffen, da wir eigentlich ein großes Jubiläumsjahr mit einem besonderen Programm feiern wollten: 40 Jahre AGORA, 30 Jahre TheaterFest und die 50ste Produktion des Ensembles.

 


CHRISTEL HOFFMANN, die langjährigen Weggefährtin Cremers, hat für den umfangreichen zweiten Teil die Gedichte, Schriften und Tagebücher Marcel Cremers aus Tausenden Manuskripseiten ausgewählt und editiert.

 

Jedem, der was über die Geschichte des AGORA Theaters erfahren will, sei ihre ausführliche Einleitung zu diesem "Schlachte niemals ein Huhn auf der Bühne" betitelten Hauptteil des Buches empfohlen, in dem es auch um ihre persönliche Geschichte mit Cremer und der AGORA geht.

 

So schildert sie ganz zu Anfang, wie sie sich Ende der 70er Jahre vom Berufstheater zurückgezogen hat, da sie erkennen musste, dass ihr Versuch "als Dramaturgin am Kinder- und Jugendtheater Brechts Theaterauffassungen durchzusetzen" vergeblich sein musste: "Nach dem Fall der Mauer lernte ich Marcel Cremer als gleichgesinnten Theatermann kennen. Ja, das war das Theater, wie ich es mir immer vorgestellt hatte! Die einzigartigen Aufführungen seines Ensembles und der demokratische Umgang miteinander beeindruckten und begeisterten mich, seither blieb ich diesem Theater verbunden, in dem ich meine künstlerische Heimat fand."

 

 

19.05.2020
LESEREIHE | PART 8 | Viola Streicher

Die achte Lesung aus dem gerade im Verlag Theater der Zeit erschienenen Buch „Marcel Cremer und die Agora” übernimmt Viola Streicher mit einem Text über “das erste Treffen zwischen zwei Verliebten”.

Viola Streicher hat als langjährige Lebensgefährtin des AGORA-Gründers dieses Buch auch initiiert. Viola wird als Spielerin außerdem die (hoffentlich) erste ‚wirkliche' Theateraufführung des AGORA Theaters nach dem Lockdown bestreiten: "König Lindwurm - oder: wie schreibt man einen Brief" im COMEDIA Theater Köln am 21. Juni.


 

Ania Michaelis' Abenteuer für Erwachsene und Kinder ab 8 Jahren wird natürlich unter Beachtung aller gebotenen Vorsichtsmaßnahmen, Abstandsgebote etc. gezeigt.  Gerade dieses Stück wird ganz sicher trotzdem funktionieren, da aber in das große Comedia Theater entsprechend weniger Menschen passen, nämlich maximal 30, sollte man sich möglichst bald Karten sichern.
 

 

VIOLA STREICHER jedenfalls kam nach dem Abschluss ihres Studiums in Köln für einen Workshop mit Marcel Cremer ins französische Jura, hat sich in selbigen verliebt, er wohl auch in sie und die beiden wurden ein Paar - bis zu Cremers Tod 2009.

 

 

Oder so: Viola Steicher jedenfalls wurde nach der Teilnahme an einem der Sommerworkshops Marcel Cremers zum „Autobiografischen Theater" schnell festes Mitglied des Ensembles, hat in neun Produktionen gespielt, bei wichtigen Veröffentlichungen mitgewirkt, unzählige theaterpädagogische Workshop für Jugendliche und Erwachsene geleitet, die „Junge Agora" mitbegründet, viermal das Internationale TheaterFest künstlerisch (mit-)geleitet und schließlich wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Buch, das wir gerade bewerben, auch wirklich erscheinen konnte. - Und ja wir haben in dieser Liste noch einiges ausgelassen.

19.05.2020
LESEREIHE | PART 7 | Karen Bentfeld

Für die siebte Lesung aus dem gerade im Verlag Theater der Zeit erschienenen Buch „Marcel Cremer und die Agora” hat sich Karen Bentfeld einen Text ausgesucht, der die Idee des Stücks, mit dem sie 2009 zur AGORA gestoßen ist „Der König ohne Reich”, zum ersten mal ausformuliert.

'Gestoßen' ist nicht so ganz richtig, da sie schon 2001 und 2008 als DJ und mit einer Kunstausstellung beim Internationalen TheaterFest dabei war. Das TheaterFest findet in diesem Jahr (hoffentlich) zum 30. mal statt und ist - neben 40 Jahre Agora und der 50. Agora Produktion - eines der Jubiläen, die wir - in welcher Form auch immer - zu zelebrieren wissen werden.

 

Karen jedenfalls kam, lustiger Weise genau wie Line Lerho, deren Video man gleich hier drunter sehen kann, als Schwangerschaftsvertretung für Annika Serong zum Ensemble. Noch von Marcel Cremer selber engagiert, verstarb dieser dann im fünften Probemonat. Die Inszenierung wurde später von Fatma Girretz zur Premiere geführt und erlebte etwa 250 Aufführungen.

 

 

Karen Bentfeld spielte danach in Kurt Pothens Inszenierung "Die Harmonie der Gefiederten". Vor allem aber ist sie bei zwei aktuellen Produktionen dabei, um die es im ersten Teil des Buches geht, der unter anderem anhand dieser Inszenierungen zeigt, wie das Erbe von Cremer am AGORA Theater weitergeführt wird, nämlich „Animal Farm - Theater im Menschenpark" und „Hannah Arendt auf der Bühne". Außerdem ist sie in unser aktuellsten und 50. Produktion Die drei Leben der Antigone als Ismene zu sehen. 

19.05.2020
LESEREIHE | PART 6 | Line Lerho

Die nächste Lesung aus dem gerade im Verlag Theater der Zeit erschienenen Buch „Marcel Cremer und die Agora” bestreitet Line Lerho, die hier in ihrem heimischen Garten in Eupen zu sehen ist.

Line kam 2009 fünf Monate vor Marcel Cremers Tod zur Agora, hatte an seinem letzten Workshop teilgenommen und wurde von ihm daraufhin kurzerhand zur Besetzung des "Königs ohne Reich"dazugeholt, obwohl diese eigentlich schon fest stand. Nach der ersten Probewoche hat Cremer ihr dann vorgeschlagen, Annika Serong, deren Lesung man geich hier drüber findet, in „Pferd aus Blau" zu vertreten, da sie in den Mutterschaftsurlaub gegangen ist.

 

Line Lerho ist dann im November 2009 zum ersten Mal mit „Le cheval de Bleu" auf Tour gegangen und hat Cremer nie wieder gesehen. Das hier vorgetragene Gedicht stammt aus diesem Stück .

 

 

Im Anschluss spielte sie dann bei Strandgut (Marée haute), Die Harmonie der Gefiederten (L'Harmonie de la Gent à plumes) Die Geschichte eines langen Tages (L'histoire d'une longue journée) und ist in unserer aktuellen 50. Produktion "Die drei Leben der Antigone" als Tiresias zu erleben.

 

Von 2014 - 18 war sie eine der künstlerischen Leiterinnen des TheaterFests, das im AGORA Jubiläumsjahr 2020 zum 30. mal statt finden soll. 

19.05.2020
LESEREIHE | PART 5 | Annika Serong

Annika Serong inszeniert für den fünften Teil mit Lesungen aus dem frisch erschienen Buch “Marcel Cremer und die Agora” einen Text aus dem Vorwort unseres künstlerischen Leiters, Kurt Pothen.

Dieser geht der Frage nach, wer Marcel Cremer war und wie das AGORA Theater heute mit diesem Erbe umgehen kann, sollte, könnte.

Ein sehr schön ausgewählter Text, insofern es ja um eine Hinführung zum Buch und unserer Geschichte gehen soll. Die Musik stammt von Tom Tiest, der zusammen mit Annika auch diesen Film montiert hat.

 

 

Annika ist seit 2007 Mitglied des Ensembles und war bei vielen wichtigen Produktionen als Spielerin dabei, über die man im Buch mehr erfahren kann: "Die Kreuzritter""Das Pferd aus Blau", oder "Heute: KOHLHAAS".


Aktuell ist sie in "Hannah Arendt auf der Bühne" zu sehen.

19.05.2020
LESEREIHE | PART 4 | Roland Schumacher
Roland Schumacher bestreitet den vierten Teil unserer Reihe mit Lesungen aus dem gerade erschienen Band „Marcel Cremer und die Agora".

 

Rolands erste Inszenierung, in der er für AGORA auf der Bühne stand war 1983 der "Baal" von B. Brecht. Insgesamt stand er in diversen Produktionen mit AGORA zirka 2500 mal auf der Bühne, darunter auch in "Nebensache", welches mit nahezu 600 Vorstellungen das bislang meistgespielte Stück des AGORA Theaters ist.

 

"Im Wald ist schlechte Stimmung....."

Roland hat sich für seine Lesung einen Text ausgesucht, der zeigt - ohne Altersfreigabe, auch wenn es Tote gibt -, dass es lebenswichtig sein kann, im Theater - wie im Leben - die richtigen Fragen zu stellen. Das Video zur Lesung wurde auf einem Hochsitz in der Nähe von Marcels Heimatdorf Crombach aufgezeichnet.

 

 

Kurt Pothen, künstlerischer Leiter der Agora, beschreibt in seinem Vorwort zu dem Band, wie er 1987 als 17-Jähriger die hochpolitische und damals stark skandalisierte AGORA Inszenierung gesehen hat, die dem zweiten Teil des Buches - mit Texten von Cremer selber - den Titel gab 'Schlachte niemals ein Huhn auf der Bühne!'.

 

„Ein paar Tage später", so Pothen, „hörte ich im ostbelgischen Radio eine Sendung, in der Marcel Cremer - der Regisseur dieser Inszenierung - scharf angegriffen wurde. Der Tenor lautete: Das darf man nicht machen, das darf Theater nicht. Ich war beeindruckt von dieser Aufregung, dieser Wirkung, und in meinem jugendlichen Idealismus fühlte ich mich aufgefordert, den mir unbekannten Autor eines mir immer noch nicht verständlichen Stücks zu verteidigen. Ich griff zum Hörer und rief die Radiohotline an, um an der öffentlichen Diskussion über das Stück teilzunehmen. (...) Das Stück hieß ‚Algunas Bestias‘ und einer der Spieler des AGORA Theaters war Roland Schumacher. Er war mein Lehrer an der Schule, an der ich zu dieser Zeit mein Abitur machte, und sprach mich wenige Tage nach dem Anruf im Radiostudio an, um mir mitzuteilen, dass Marcel Cremer sich gerne mit mir treffen würde. Meine erste Begegnung mit dem Menschenfänger, dem Mann, der begeistern, führen und verführen konnte."

 

Roland Schumacher ist seit 38 Jahren als Spieler beim Agora Theater, -abgesehen von „Corona-Zeiten"- ist er momentan in „Hannah Arendt auf der Bühne" von Ania Michaelis zu sehen. Ein Stück für alle ab 10 Jahren, mit dem wir 2019 den Hauptpreis bei den Rencontres de Huy gewonnen haben und das seit der Premiere im März letzten desselben Jahres auf zahlreiche Festivals eingeladen und in 5 Ländern gespielt wurde.

19.05.2020
LESEREIHE | PART 3 | Daniela Scheuren
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Daniela Scheuren bestreitet den dritten Teil unserer Reihe mit Lesungen aus dem gerade erschienen Band „Marcel Cremer und die Agora". Aus St. Vith stammend wirkte sie bei unzähligen AGORA Stücken als Spielerin mit, war Theaterpädagogin, Autorin und hat mehrfach Regie geführt. Ihr erstes Stück bei uns war Cremers „Irgendwo" (1993), über viele wichtige Produktionen ging es bis zum „Pferd aus Blau" (2006), das - wie auch unser aktuelles Hannah Arendt Stück - den Hauptpreis bei den Rencontres de Huy gewonnen hat und über 500 mal gespielt wurde.

 

Daniela liest ihren Text nicht zufällig am Bahnhof von Würzburg, denn 2008 verließ sie die Agora, nachdem sie über 1000 Aufführungen als Spielerin absolviert hatte, um als Dramaturgin, Theaterpädagogin, Autorin unter anderem in Würzburg zu arbeiten.

 

 

Sie war der Agora entkommen, aber sie kam zurück.

Danielas Regie "Flugversuche / Saut de l'ange" wurde ebenfalls in Huy prämiert und auf zahlreiche Festivals eingeladen.

 

„ANIMAL FARM - Theater im Menschenpark" (2017), das Felix Ensslin mit Daniela Scheuren und dem Ensemble entwickelt hat, nimmt dieses Motiv des "Entkommens/Zurückkommens" im Sinne der autobiographischen Methode und als Kommentar zur Methode auf.

Zu dieser für die gegenwärtige Position der AGORA maßgeblichen Arbeit, bei der Daniela auch als Spielerin zu erleben ist, findet man im ersten Teil des Buches einen ausführlichen Text von Sebastian Kirsch.

 

Im Jubiläumsjahr der AGORA ist Daniela als Antigone in unserer 50. Produktion "Die drei Leben der Antigone"  zu sehen und leitet als Theaterpädagogin das Projekt „Heldenruf".

Aber sie ist nicht ganz „zurückgekommen". Sie lebt weiterhin in Würzburg und ist dort und anderswo in diverse Projekte außerhalb der Agora involviert. 

19.05.2020
LESEREIHE | PART 2 | Felix Ensslin

 Die zweite Lesung aus dem frisch im Verlag Theater der Zeit erschienenen Buch "Marcel Cremer und die Agora" bestreitet Felix Ensslin mit zwei Texten von Cremer selber.

 

Ensslin ist neben Ania Michaelis, deren Lesung man gleich hier drunter findet, der zweite Regisseur, der die Gegenwart und hoffentlich Zukunft der Agora wesentlich mit gestaltet, was man sich weniger als nebeneinander, denn als miteinander vorstellen kann: Ensslin war Dramaturg bei Michaelis letztjähriger Agora Produktion "Hannah Arendt auf der Bühne" und Michaelis stand in unserer 50. Produktion, die im Januar 2020 Premiere hatte, zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder selber als Spielerin auf der Bühne, unter der Regie von Felix: Die drei Leben der Antigone - AGORA Theater. 

 

 

Im ersten Teil des Buches, in dem es um das "AGORA Theater in der Nachfolge von Marcel Cremer geht", findet man neben einem von beiden gemeinsam mit unserem künstlerischen Leiter, Kurt Pothen verfassten - programmatischen - Text und zwei Texten zu "Hannah Arendt auf der Bühne" von Susanne Winnacker und Luna Ali, auch Sebastian Kirschs ausführlichen Text zu Ensslins erster Arbeit mit dem Ensemble: "Animal Farm - Theater im Menschenpark".


Ensslin, der sich sehr intensiv mit Cremers Werk auseinandergesetzt hat und der in seiner Arbeit immer wieder die Verbundenheit der Agora mit der Deutschsprachigen Gemeinschaft betont, wählt für seine Lesung zwei Texte Cremers, die auch auf unser nächstes großes Projekt verweisen, das den Arbeitstitel ROHSTOFF AMIKEJO trägt. - Felix ist übrigens auch ein echter 68er, denn er wurde an diesem Tag, also am 13. Mai 1967 in die Welt gesetzt und wie jedes Kind weiß, war 1967 das wahre '68.

19.05.2020
LESEREIHE | PART 1 | Ania Michaelis

Zum Auftakt unserer Reihe mit Lesungen, liest Regisseurin Ania Michaelis aus CHRISTEL HOFFMANNs Einleitung zum zweiten Teil des Buches: "Schlachte nie ein Huhn auf der Bühne - Ein Lesebuch mit Gedichten und Texten von Marcel Cremer"

 

Christel Hoffman, Professorin h.c. an der Fachhochschule Osnabrück, in den 1960er und 70er Jahren Chefdramaturgin am Theater der Freundschaft, zog sich Ende der 70er aus der aktiven Theaterarbeit zurück, um dann sehr viel später, nach dem Mauerfall, Marcel Cremer "als gleichgesinnten Theatermann" kennenzulernen: "Das war das Theater, wie ich es mir immer vorgestellt hatte! Die einzigartigen Aufführungen seines Ensembles und der demokratische Umgang miteinander beeindruckten und begeisterten mich."

 

Ania Michaelis ist als Regisseurin ganz entscheidend daran beteiligt, worum es im ersten Teil von MARCEL CREMER UND DIE AGORA geht, nämlich wie das Erbe von Cremer am AGORA Theater, das 2020 sein vierzigstes Jubiläum feiert, weitergeführt wird: in einer offenen künstlerischen Auseinandersetzung, die die eigenen Wurzeln nicht leugnet und doch in die Zukunft weist.

 

 

Michaelis hat über 65 Stücke "für sehr junge Zuschauerinnen, Erwachsene und für alle Altersgruppen, die dazwischen liegen" inszeniert. Für das Agora Theater zuletzt "Die Geschichte eines langen Tage", "König Lindwurm" und "Hannah Arendt auf der Bühne", das im März 2019 Premiere hatte und dessen französischsprachige Fassung im selben Jahr auf dem - zumindest für den frankophonen Bereich - wichtigsten belgischen Theater-Festival für junges Publikum mit dem Hauptpreis des Festivals - dem „Prix de la Ministre de la Culture" geehrt wurde.

 

Hoffmann und Michaelis haben sich 2002 auf dem von der AGORA ausgerichteten Arbeitstreffen der freien deutschen Kinder- und Jugendtheater „Spurensuche" kennen gelernt. Hoffmann hat Michaelis seitdem zunächst als Lehrerein, dann als Dramaturgin und immer als Freundin begleitet.

 

Zum Buch:

"Marcel Cremer und die Agora
Ein Lesebuch zum Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens"

Herausgegeben von AGORA Theater und Christel Hoffmann

Verlag: "Theater der Zeit"

352 Seiten - 20 Euro

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